Pflanzenherkunft
Leinöl, auch als Flachsöl bekannt, ist ein besonders gesundes pflanzliches Speiseöl, das der Familie der Leingewächse zugehörig ist. Das Öl wird aus den Leinsamen gewonnen. Die Leinpflanze kann bis 120 cm groß werden, wobei Pflanzen, die zur Ölgewinnung geeignet sind, eher um die 60 cm groß werden.

Geschichte – Von der Fasergewinnung zum Speiseöl
Lein gilt als eine der ältesten Kulturpflanzen der Erde. Bedeutende archäologische Funde sind in Leintücher gewickelte Mumien, welche aus der Zeit 2000 v. Chr. stammen. Nach Europa ist Lein in etwa um die Zeitwende gebracht wurden. Europäer nahmen die Fasergewinnung aus Lein bei der Umsiedlung mit nach Nordamerika. Durch günstige Importmöglichkeiten von Baumwolle wurde die Verwendung von Lein jedoch schnell überflüssig.
In den vergangenen Jahrzehnten wurde der Anbau hauptsächlich nach Argentinien, die USA, Kanada und die frühere Sowjetunion verlagert.

Herstellung
Die Leinsaat gedeiht am Besten bei mittleren Temperaturen von 18 bis 21 Grad. Häufig führen zu hohe Temperaturen dazu, dass Pflanzenkrankheiten den Lein zerstören. Nachdem die weißen bzw. blauvioletten Blüten verblüht sind, entwickeln sich 6-8 mm lange Kapseln heraus. Diese besitzen 5 Kammern mit je zwei glänzend braunen Samenkörnern. Ein Ölgehalt von 35 Prozent ist etwa einen Monat nach der Blüte erreicht. Sobald 90 Prozent der Pflanzen reif sind, kann mit der maschinellen Ernte begonnen werden. In Indien wird oftmals noch mit Ochsen geerntet, wobei die Pflanzen jedoch so sehr beschädigt werden, dass sie nicht mehr brauchbar sind.
Für die Gewinnung von Öl eignen sich nicht alle Spezies. Linum usitatissimum ist eine Unterart, welche bevorzugt zur Gewinnung von Öl angebaut wird. Leinöl sollte bei der Verwendung als Speiseöl stets kaltgepresst sein und unter Ausschluss von Sauerstoff gewonnen werden.

Inhaltsstoffe – Reich an Omega-3-Fettsäuren
Die Leinkapsel besteht zu ca. 35 Prozent aus Fett und etwa 23 Prozent Rohprotein. Neben den Hauptfetten sind in Leinöl bis zu 1,1 Prozent Arachinsäure enthalten. Außerdem beinhaltet es Spuren von Myrisinsäure sowie 0,5 Prozent Behensäure. Davon abgesehen stellt es eine sehr seltene Quelle für Alpha-Linolensäure dar. Diese zählt zu den 3-fach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren. Mit 58 Prozent liefert Leinöl den höchsten Gehalt an Omega-3-Fettsäuren im Vergleich zu anderen Speiseölen.
Auch Omega-6-Fettsäuren sind essentiell für den menschlichen Körper, sollten jedoch nur in Maßen verzehrt werden. Es hebt die Wirkung von Omega-3-Fettsäuren bei übermäßigem Verzehr auf. Das Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren ist bei Leinöl besonders gut.

Verwendung und Lagerung – Erhitzen vermeiden
Leinöl wird hauptsächlich in der chemischen Industrie und in der Pharmazie verwendet. Da es sehr schnell verharzt und sich daher ein dünner Film bildet, wird es sehr häufig für Anstriche mit Ölfarben und als Bestandteil in Linoleum verwendet.
Auch als Speiseöl ist Leinöl aufgrund seiner wertvollen Inhaltsstoffe sehr empfehlenswert. Aufgrund seiner hohen Empfindlichkeit gegenüber Licht und Sauerstoff muss Leinöl immer kühl gelagert werden und sollte schnell verbraucht werden. Leinöl darf unter keinen Umständen erhitzt werden, da dabei freie Radikale entstehen, welche die wertvollen ungesättigten Fettsäuren zerstören. Daher empfiehlt sich Leinöl als Zugabe nach dem Kochen oder in Salaten und Rohkost. Es besitzt einen intensiv herben Geruch und weist eine gelbliche Färbung auf.

Die Flasche sollte lichtgeschützt gelagert werden, sodass das Öl keiner Sonneneinstrahlung ausgesetzt wird. Die Haltbarkeit beträgt dann circa ein Jahr. Nach Anbruch der Flasche sollten Sie diese innerhalb eines Monats aufbrauchen, um zu vermeiden, dass das Öl ranzig wird.

Kaufberatung – Auf Bio-Zertifizierung achten
Beim Kauf von Leinöl sollten Sie in jedem Fall darauf achten, dass es BIO-zertifiziert ist. Eine fehlerhafte, nicht kontrollierte Produktion kann dazu führen, dass das Vitamin E zerstört wird und freie Radikale freigesetzt werden. Ein qualitativ hochwertiges Öl sollte in jedem Fall kaltgepresst und naturbelassen sein.

Weitere Bilder

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Quellen:

Bockisch, M. (1993). Nahrungsfette und –öle. Handbuch der Lebensmitteltechnologie. Stuttgart: Ulmer.

Braunschweig, R. v. (2007). Pflanzenöle. Qualität, Anwendung und Wirkung (3. überarbeitete Auflage 2010). Wiggensbach: Stadelmann Verlag.

Titelfoto: ti.Na / photocase.com

Weitere Fotos: Hans Hillewaert / commons.wikimedia.org ; BastienM / commons.wikimedia.org

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